Sonntag, 29. September 2013

Personal Kanban für Autoren


Gerade wenn man ein großes Projekt wie ein Buch startet, stößt man mit der Methode, einfach draufloßzuschreiben schnell an Grenzen - bestenfalls kommt ein schlechtes Buch dabei heraus. Meist ist es so, dass man, sofern man sich die Arbeit nicht schon vorher gemacht hat, spätestens bei den ersten Überarbeitungen beginnt, an der Struktur des Textes herumzufeilen. Die Kanban-Methode ist ein praktisches Hilfsmittel dafür, wie man bei einem großen Buchprojekt den Überblick behält.

Kanban wurde von Toyota erfunden, um den Produktionsprozess ihrer Autos möglichst effizient und  hochwertig zu gestalten. Grund war, dass in Japan Platz kostbar ist und die Lagerhaltung daher möglichst klein gehalten werden sollte. Da aber ein kleines Lager bedeutet, dass man nur wenige Teile als Ersatz für Ausfälle hat, musste Ausschuss so weit wie möglich vermieden werden. Dies wurde dadurch erreicht, dass die Produktion jedes Autos in einzelne Prozessschritte aufgeteilt wurde, die man auf eine Karte (Kanban) vermerkte. Nach jeder Station wurde der jeweilige Prozessschritt abgehakt, so dass jeder auf einen Blick sehen konnte, wie weit das Stück in der Produktion vorangekommen war.

Was haben Autos mit Büchern am Hut?

Wie aber kommt man vom Auto auf das Buch? Der Weg führt  über das Aufteilen des Prozesses in Stationen. Ein Roman lässt sich zum Beispiel folgendermaßen aufteilen: 

Erstes Konzept -> Recherche/Ideensammlung -> Rohentwurf -> Erste Revision -> zweite Revision ... nte Revision -> Lektorat -> Layout -> Korrektur der Druckfahnen -> Druck.

Eine andere Variante  ist, das ganze so zu differenzieren, dass man den Prozess nicht für das ganze Buch sondern für einzelne Kapitel einrichtet. Das macht besonders dann Sinn, wenn man ein großes Projekt in Angriff genommen hat oder mit vielen an einem solchen arbeitet (bspw. bei einer Anthologie). Das folgende Bild zeigt den Prozess für die Abläufe in einer Zeitschriftenredaktion, es lässt sich aber ohne weiteres auch auf andere Projekte übertragen. 
Personal Kanban mit asana.com

HI FI und LO FI


Im links gezeigten Bild nutze ich die Web-App asana.com. Diese bietet einen kostenlosen Zugang für bis zu 15 Mitarbeiter bei einer unbegrenzten Anzahl von Projekten. Entscheidend ist aber, dass man die Tasks sogenannten Sektionen zuordnen kann. Aufgeteilt ist das Ganze nach Autoren, die als einzelne Tasks unter die jeweilige Sektion eingeordnet werden. Hat einer der Artikel einen der Arbeitsschritte hinter sich, wird er einfach in die nächste Sektion verschoben, so dass man immer auf dem aktuellen Stand ist, wo in der Produktionskette die Texte gerade stehen. Daneben lassen sich Abgabetermine und weitere Informationen dem einzelnen Artikel zuweisen, auf die dann die Mitarbeiter des Projekts zugreifen können. Man kann sogar Dateien an einen Task anhängen.

Wem Webanwendungen suspekt sind, oder wer eine Low-Tech-Variante (ausfallsicher!) vorzieht, kann Kanban aber auch ganz simpel mit einfachsten Mitteln umsetzen. Dazu braucht man z. B. nicht mehr als eine einigermaßen große Pinnwand, Zettel und Heftzwecken. Die Pinnwand unterteilt man in die einzelnen Prozessschritte, auf die Zettel wird die jeweilige Aufgabe geschrieben. Dieser wird dann an die Wand gepinnt. Mit jedem Schritt, den eine Aufgabe vollendet hat, wandert der Zettel eine Station weiter. 

Ein selbstgebasteltes Kanban-Board
Natürlich kann man sich noch weitere Varianten denken, zum Beispiel eine Tafel, ein Flipchart, auf dem man die Stationen abhakt, oder ein Whiteboard mit Markern für die, die es gerne groß mögen. Letztendlich ist das Prinzip so flexibel, dass sich jeder die zu ihm passende Umsetzung aussuchen kann. 

Ein gewisses Maß an Ordnung und Durchhaltewillen vorrausgesetzt, hat man so jederzeit den Überblick, wo das Projekt gerade steht. Das es funktioniert, weiß ich aus meiner praktischen Arbeit, wo es mir jeden Monat dabei hilft, nicht den Überblick über bis zu dreißig oder mehr Artikel pro Heft (das sind umgerechnet etwa 300 Schreibmaschinenseiten pro Monat) zu verlieren. 

Donnerstag, 12. September 2013

Unknown 2013 - Ein Rückblick


Warum eine Buchmesse besuchen, die kleiner als die Frankfurter oder Leipziger Buchmesse ist? Das ist eine Frage, die sich viele stellen werden, die selbst schon mal ein Buch schreiben wollten. Tatsächlich ist das aber falsch gedacht, denn auch eine kleine, noch unbekannte Buchmesse kann ihre Vorteile haben. im heutigen Post will ich über meine Beweggründe für meine Teilnahme an der Unknown 2013 berichten und darüber, inwieweit ich meine Ziele erreicht habe.

Mein erstes und wichtigstes Ziel war, Kontakte zu knüpfen und Leute kennenzulernen.  Das ist mir definitiv gelungen. Ich habe einige Autorenkollegen kennengelernt,  und Kontakte zu Verlagen geknüpft.  In diesem Punkt habe ich also mein Plansoll erfüllt. Gewissermaßen als Bonus bin ich nun im Organisationsteam der Messe an der Planung des nächsten Events beteiligt.

Das zweite Ziel war, mein Buch zu bewerben. In Anbetracht der Tatsache, dass die Unknown 2013 die erste Veranstaltung ihrer Art war, bin ich nicht davon ausgegangen,  dass sich wahre Menschenfluten durch die Gänge wälzen.  Ich hatte deshalb nur wenig Werbematerial zusammengebastelt - insgesamt rund 20 Leseproben und 40 Flyer. Von den Leseproben sind neun Stück mitgenommen worden,  ich habe also eine Quote von fast fünfzig Prozent gehabt.  Ich denke, für ein Buch,  dass noch erst habe ich damit einen guten Schnitt gemacht.  Jenseits der schwarzen Berge scheint also nicht nur mich,  sondern auch andere zu interessieren. 

Außerdem habe ich dazugelernt. Ich werde keine Lesung mehr halten,  wenn es mir schon am Morgen nicht gut geht. Das ist dann kein angenehmes Erlebnis für mich und meine Zuhörer. Da ist es besser, nichts zu erzwingen. Ich werde in Zukunft eine Lesung absagen, wenn ich mich krank fühle.

Alles im allem lässt sich festhalten, dass die Messe sich für mich bereits gelohnt hat. Spannend wird auf jeden Fall, die zukünftige Entwicklung der Unknown zu beobachten. Der Start war jedenfalls vielversprechend.