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Freitag, 5. August 2016

Manga und Anime als Inspirationsquellen für Pokemon

In meinem letzten Post hatte ich mich mit mit den Pokemon und ihrer Wirkung als Marketing-Instrument befasst. Heute geht es darum zu schauen, aus welchen Quellen das Pokemon-Universum schöpft.

Denn natürlich entsteht eine Serie wie Pokemon und das mit ihr verbundene Spiel nicht im leeren Raum, sondern haben Vorläufer und Quellen, auf die sie sich stützen (die Verbindung zwischen Tamagotchi und Pokémon wurde bereits erwähnt). Eine dieser Traditionslinien ist die Form des japanischen Zeichentrickfilms (Animé) und Comics (Manga), die im Wesentlichen die Erscheinung der Figuren bestimmen. Typisch ist für viele Mangas und Anime der Stil der Figuren, der ein kindliches Aussehen mit unrealistisch großen, runden Augen verbindet. Hinzu kommt im Falle des Anime eine charakteristische Farbgebung, die meist flächig gehalten ist und Schatten nur andeutet, indem die Schattenpartien etwas abgedunkelt werden 1.

Ebenfalls für Anime charakteristisch ist, dass oft nur Teile der Figur animiert werden, während der Rest unbeweglich bleibt. Dies gilt besonders für Gesichtsanimationen. Vergleicht man zum Beispiel einen Donald Duck-Cartoon und Pokémon, so fällt sofort der Unterschied auf. Donalds Körper ist ständig von Bewegung erfüllt, die Pokémon wirken teilweise wie erstarrt - besonders in den Kampfszenen, in denen sich nicht die Figur, sondern nur der Hintergrund bewegt 2.
Begründet hat diesen spezifischen Stil des modernen Manga ein Autor namens Osamu Tezuka, dem es gelang, westliche (durch importierte Disney-Produkte geprägte) Einflüsse und japanische Erzähl- und Zeichentechnik miteinander zu verschmelzen 3. Tezuka wurde 1928 in Osaka geboren. Seine Eltern waren stark an Kunst interessiert, so dass er schon früh und oft Kontakt zu dieser hatte. Dennoch startete er seine Karriere erst nach dem zweiten Weltkrieg im Jahr 1950, wo er Kimba, der weıße Löwe, als Manga zeichnete. 1963 folgte seine erste Animeserie Tetsuwan atomu 4.

Nahezu alle Quellen sind sich einig, dass Tezuka den typischen Anime/Manga-Stil begründet hat. Als Beispiel sei hier nur Jesse Stanley zitiert:
Osamu Tezuka’s techniques have had a profound impact on all manga and anime that followed him. For instance, the large, sparkling, anatomically incorrect eyes that seem to be prevalent in manga and anime these days can all be attributed to Tezuka’s influence, as this was the style that he drew in. He was also one of the first writers to try and tackle serious mature themes in his work, paving the way for such deeply philosophical and introspective films as Ghost in the Shell and Mononoke Hime. His influence on the Japanese animation market could be roughly paralleled to Disney’s. The Seibu Lions baseball team uses one of his most famous characters, Leo the Lion as their mascot, and Atomo (known as Astro Boy in the US) sells a number of products on TV today. He is still widely popular in Japan today, with a large fan base, both young and old 5.

Lange Tradition

Mangas bzw. deren Vorläufer haben in Japan eine lange Tradition, die sehr weit in die japanische Geschichte zurückreicht. Schon vor Hunderten von Jahren wurden Bilder mit erzählendem Inhalt angefertigt, aus deren Tradition der Formenschatz des Mangas schöpft.

Da wäre zunächst der Toba-e Stil zu nennen, welcher auf 1053 n. Chr. datiert 6. Unmittelbarer Vorgänger der Mangas ist der Ukiyo-e-Stil,I der den meisten Europäern als japanischer Holzschnitt in der einen oder anderen Form bekannt sein dürfte (z. B. die Holzschnitte Katsushika Hokusais, der übrigens seine Skizzenbücher ab 1812 Manga (Man = spontan, ga = Bild) nannte. In diesen tauchten schon einzelne Bildfolgen auf.) 7. Aus ihnen entwickelte sich die spezifische Form des Mangas.
The tradition of Japanese prints changed with westernization. Manga developed from these prints in a sort of hybrid between Western comics and Japanese prints whose flavor was distinctly Japanese. But why is manga so popular? American comic books have been reduced to children’s fare, not allowed to grow as literature or art very much. The stories are often unsophisticated and childish. But manga is not relegated to the side just because they are comic books 8.
Der Japanische Comic ist also kein reiner “West-Import”, sondern hat ganz eigene, typische Stilmerkmale, wobei große, runde Augen, bizarre Frisuren, die allen physikalischen Gesetzen trotzen und intensive Lichteffekte ebenso zu den charakteristischen Merkmalen gehören wie bestimmte Bewegungsabläufe und Gesten im Stile von »THE MATRIX« 9.

Es gibt zudem einige wichtige Unterschiede, die Mangas aus der Masse der Comics herausheben. Manga werden von hinten nach vorn gelesen. Sie sind (aufgrund der hohen Seitenzahlen) fast ausschließlich in schwarzweiß gedruckt. Bevor ein Manga in Buchstärke aufgelegt wird, wird zunächst eine Vorabserie in Heftform gedruckt. Diesen Heften sind Antwortkarten an den Verlag beigelegt, die dazu dienen, die Leserresonanz abzufragen und das Produkt den Wünschen des Publikums anpassen zu können. Erst dann wird das eigentliche Manga veröffentlicht.

Eine eigene visuelle Grammatik

Der wichtigste Unterschied zum amerikanischen oder europäischen Comic ist jedoch, dass das Manga einer anderen visuellen Grammatik folgt. So werden die Handlungsabläufe in Mangas sehr viel stärker durch einzelne Bilder strukturiert, als dies bei ihren amerikanisch-europäischen Gegenstücken der Fall ist. Wird zum Beispiel in einem amerikanischen Comic eine Handlung in einem einzigen Bild (z. B. dem Gang durch eine Bahnhofshalle) dargestellt, bricht der Manga diese Situation in eine Reihe visueller Splitter auf. Zunächst könnte man vielleicht ein Bild des Zuges sehen, dann eine Menschenmenge, im nächsten Bild ein Gesicht, im darauf Folgenden ein zweites, schließlich zwei Menschen, die über einen Bahnsteig laufen. Auch die Sprache wird wesentlich sparsamer venNendet. Reihen sich im amerikanisch-europäischen Comic Sprechblase auf Sprechblase aneinander, so wird im Manga vieles durch Körpersprache, Gestik und Mimik der Figuren ausgedrückt. Gerne werden auch Stilllebenartige Bilder genommen, um Stimmungen einzufangen 10.

Zu beachten ist, dass Mangas nicht notwendigerweise Kinderliteratur sein müssen, sondern alle Alterssparten und Niveaustufen abdecken. Interessant als beiläufige Anmerkung mag sein, dass Mangas kein Tabu kennen 11, das die Darstellung von Tod oder Sexualität verbietet, wie es in europäischen und amerikanischen Comics häufig zu finden ist. Mangafiguren müssen auch nicht dem »Superheldenklischee« entsprechen. Manga-Charaktere sind in der Regel vergleichsweise normale Personen, die ein Privatleben besitzen, zur Schule gehen usw., die aber bestimmte Züge haben, die sie zu etwas besonderem machen. In der Regel haben sowohl “Gute” als auch “Böse” differenzierte Ziele, die ihr Handeln erklären und plausibel machen 12.

Pokémon, das Hong Kong-Kino und Godzilla

Auch das Genre des Hong Kong-Kinos mit ihren Martial Arts-Filmen hat einen gewissen Einfluss auf die Darstellung der Pokémon, speziell, was die Posen und Attacken der Tiere angeht. Allerdings ist dieser Einfluss nicht über zu bewerten, da es sich wohl eher um ein generelles Phänomen der japanischen Populär-Kultur handelt.

Auch die Godzilla-Filme haben Einfluss auf die Pokémon gehabt. Hierzu gehört zunächst die Idee, dass es fabelhafte Monster __ gibt, die gegeneinander antreten, um sich gegenseitig zu bekämpfen. Ferner sind die Urweltmonster in der Lage, außergewöhnliche (PSI-)Kräfte zu venNenden (So kann Godzilla atomare Strahlen speien.). Zu guter Letzt lässt sich auch das generelle Design der Pokémon auf die Godzilla-Filme zurückführen. So erscheint zum Beispiel ein Kampf zwischen Sichlor und Glurak wie eine verniedlichte Version des Kampfes zwischen Godzilla und lg“ Destroyah (ein Insektenwesen), allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass bei letzteren eine ganze Stadt winziger Modelle in Schutt und Asche gelegt wird.

  1. Als Prototypen für ein Anime mögen die Serien »Heidi« und »Captain Future« dienen.↩
  2. Man muss allerdings zugestehen, dass dies nicht nur auf eine animespezifische Ausdrucksform zurückzuführen ist, sondern sich auch auf die Kampfszenen des Computerspiels bezieht, in denen die Figuren in ganz ähnlicher Weise gegenübergestellt werden.↩
  3. Es gab zwar auch schon zuvor als Manga bezeichnete Comics (der erste jap. Comic datiert auf 1902), die sich an westlichen Vorbildern orientierten, der besondere, charakteristische Stil des heutigen Mangas leitet sich aber eindeutig von Tezuka ab. vgl. Knigge, Andreas C. :, »Comics - vom Massenblatt ins multimediale Abenteuer«, Reinbeck bei Hamburg 1996, S. 242.↩
  4. vgl. Knigge, Andreas C. :, »Comics - vom Massenblatt ins multimediale Abenteuer«, Reinbeck bei Hamburg 1996, S. 243 u. 244.↩
  5. Stanley, Jesse:, »Anime lOl«; http://www. earlham. edu/ ~iapanink/japanink_anime101.html↩
  6. Ukiyo-e was all the rage in Europe, very much influencing the emerging Impressionist Movement during the 1800’s. Van Gogh, Monet and others were experimenting with the vibrant colors and painting style ol Japanese prints. In Japan, they had been very popular amongst the merchant and common townspeople during the Edo Era’s peace and prosperity. Printing was cheap and the products sold well, much like manga is today. There was just something about the prints that made them accessible to the masses. The most popular of the prints were ukiyo-e. They depicted illustrations of the “Floating World,” a term that was used to describe the air that of uncertainities in life and the subsequent search for sensual pleasures to sweeten one’s feeling of hopelessness. Like so much of old Japanese art, ukiyo-e projected a sparse reality: without dwelling on anatomy and perspective, they tried to capture a mood, an essence, and an impression. Vgl. Santiago, Ardith:, “Manga, Beyond Ukiyo-e: Aesthetics, Postmodernism and Japan”; http://www.hanabatake.com/research/beyond.html↩
  7. Toba-e is named in honor of a Buddhist monk known as Toba (A. D. 1053-1140). These works were often humorous. One of the most famous examples is the hilarious Chôjôgiga, or “Animal Scrolls,” a 121h-century satire on the clergy and nobility. They were printed again and again to entertain townspeople.↩
  8. Santiago, Ardith:, “Manga Beyond Ukiyo-e: Aesthetics, Postmoderism and Japan"; http://hanabatake.com/research/beyond.html↩
  9. THE MATRIX transportiert die Optik des Animes in den Realfilm.↩
  10. vgl. McCloud, Scott, „Comics richtig lesen“, Hamburg 1994, S. 111.↩
  11. lzawa, Eri:, “the new stereotypes of anime and manga”; www.ex.org, ex vol. 2 issue 8.↩
  12. vgl. lzawa, Eri:, »What are Manga and Anime?«, www.mit.edu:8001/people/rei/Exgl.html↩

Sonntag, 17. Juli 2016

SCHNAPP. SIE. DIR. ALLE !!! - Kinderkultur und Marketing

 
 
Warum sich als Autor und Literaturblogger mit einem japanischen Computerspiel und der dazugehörigen Zeichentrickserie befassen? Diese Frage könnte man sich stellen, wenn man vom üblichen Klischee ausgeht. Viele würden sogar sagen, dass beides mit Literatur nichts zu tun hat. Jedoch darf nicht übersehen werden, dass die Pokémon jenseits der Bereiche „guter“ Kinderliteratur über Jahre das Spiel, Rezeptions- und Konsumverhalten zahlreicher Jugendlicher nachhaltig geprägt haben und nun in der Vorstellungswelt der Kinder verankert sind. Grund genug, sich die mit Beidem auseinander zu setzen.

Es wäre auch falsch, die Pokémon so ohne weiteres als „Schund“ abzutun, denn auch wenn sie pädagogisch zweifelhaft sein mögen, kann man ihnen nicht absprechen, dass sie ein geschickt gemachtes Instrument zur Vermarktung eines Produktes sind. Indem der gesamte Pokémon-Komplex alle Bereiche der Lebenswelt seiner jugendlichen Konsumenten (und nicht nur diesen) mit Computerspielen, Fernsehserien und Merchandisingartikeln durchsetzt, bleibt diesen kaum eine Chance, sich ihm zu entziehen - eine Wirkung, die ein schnell und oberflächlich hingeworfenes Konzept niemals hätte erreichen können.

Die Pokémon entstanden Mitte der 90er Jahre 1 als Computerspiel für den Gameboy 2 der Firma Nintendo und können in gewisser Hinsicht als Nachfolger des Tamagotchis 3 betrachtet werden, wobei sich ihr Name aus dem englischen “Pocket” und “Monster” zusammensetzt 4. Erste Konzeptionen zu diesem Spiel wurden im Jahre 1990 entworfen und über einen Zeitraum von sechs Jahren entwickelt, wobei sich der Erfinder des Spiels, Satoshi Tajiri, von der Idee eines Grillenkampfes inspirieren ließ 5. In Deutschland (wie auch in anderen Ländern) wurde die Vermarktung der Pokémon durch eine massive Marketingkampagne eingeleitet, die sukzessive die jugendliche Kundschaft auf das zu kaufende Spiel vorbereitete. Bevor dieses überhaupt erhältlich war (im Jahr 1999) 6, strahlte der Privatsender RTL II die gleichnamige Zeichentrickserie aus, in der anhand eines Protagonisten namens „Ash“ der Spielverlauf erzählerisch dargestellt wurde 7. Erst dann folgte die Lancierung des Spieles auf dem Markt einschließlich der dazugehörigen Merchandisingartikel wie z. B. Stofftiere, Kugelschreiber, Blöcke, Tassen usw. Später wurde die Palette der Pokémon-Spiele um die sog. “Editionen” enreitert, die dasselbe Spiel mit anderem Figurenbestand darstellten. Von Anfang an wurden pro Edition zwei leicht verschiedene Versionen des Spiels ausgegeben, deren Figuren via Datentransfer von einer zur anderen Spielkonsole übertragen werden konnten. Die marketingtechnische Verbindung eines Computerspiels mit Merchandisingartikeln, Comic-Büchern (Mangas) und Zeichentrickserien (Anime) entspricht der üblichen Vorgehensweise der japanischen Spiele- und Medienindustrie. Sowohl werden Manga und Anime in Computerspiele als auch Computerspiele in Manga und Anime umgesetzt, wobei die Pokémon hier keine Ausnahme bilden 8. Jean-Marie Bouissou schreibt hierzu :
»The japanese pop culture industry recreated on a worldwide scale the process that led to its enduring process at home, trough the marketing of licensed goods, videos and plastic toys en masse. Since the bulk of profit comes from these goods, manga and TV-Series can be sold at almost no profit. Their Function is not to make big money, but to open the way to licensed goods. […] Manga help to ascertain the taste of the consumers, then are used as trendsetters. They bring only a meager profit, but are unvaluable tools for merchandizing and advertizing. TV-Series provide hours and hours of free advertizing.« 9

Bindungsstrategien

Das Konzept der Pokémon (Spiel und Serie) stellt eine geschickte Verbindung zwischen verschiedenen menschlichen Bedürfnissen her, um auf diese Weise das zu verkaufende Produkt an das Kind zu bringen.

Da wäre zunächst der Wunsch nach einem Gefährten, mit dem man spielen kann und für den man - in einem gewissen Rahmen natürlich - verantwortlich ist. Dieser Aspekt, den man auch den Pflegeaspekt nennen könnte, ist vom Tamagotchi übernommen. Es geht aber nicht nur darum, sich um seinen Spielgefährten zu kümmern. Als „Trainer“ hat man die Macht, über die Entwicklung und Fähigkeiten seines Pokémons zu bestimmen. Letztendlich wird Pflege auf Dressur bzw. Training reduziert und mit Macht gleichgesetzt.

Als zweites Bedürfnis kommt der Sammeltrieb ins Spiel, der im Untertitel der Serie aufscheint: “Schnapp sie dir alle”. Er dient im Wesentlichen dazu, die Motivation zum Spielen aufrecht zu erhalten. Gestützt wird dies durch die Möglichkeit, Pokémon-Daten auszutauschen. Ähnliches geschieht im Falle der Sammelkarten, die Spiel- und Sammeltrieb in einem Produkt befriedigen und so gewissermaßen ihr eigenes Merchandising betreiben, da sie den Bedarf nach neuen Karten ständig neu anfachen (Eine Eigenschaft dieser Spiele, die man als ethisch fragwürdig ansehen kann, weil sie die Spieler in ein Abhängigkeitsverhältnis setzt, aber dafür ökonomisch um so effizienter ist.).

Das dritte Bedürfnis ist das Verlangen nach Wettstreit. Indem man sein Pokémon gegen andere Pokémon antreten lässt, kann man feststellen, ob man das Spiel beherrscht - also ein guter Trainer ist oder nicht. Auch hier wird durch die Möglichkeit, gegen einen Freund zu spielen, die Bindung an das Spiel verstärkt.
Indem man nun die oben genannten Bedürfnisse in einem Produkt miteinander vereint, bietet sich für das Marketing eine Vielzahl von Möglichkeiten, den kindlichen Kunden an das Produkt zu binden. Das Bedürfnis nach einem Gefährten, der im Falle der Pokémon auch noch pflegeleicht ist und abgestellt werden kann (was sehr bequem ist), wenn man keine Lust auf ihn hat, erzeugt eine emotionale Bindung an das Spiel, die nicht übersehen werden darf. Nicht umsonst ist Pikachu eines der Haupt-Pokémon innerhalb der Serie, obwohl Pokémon vom Pikachu-Typ spieltechnisch gesehen allenfalls als durchschnittlich effiziente Spielfiguren anzusehen sind. Kubo Masakazu, verantwortlich für das Marketing der Pokémon-Filme, erklärt dies folgendermaßen:
»I believe that Pokémon’s success owes largely to our having placed Pikachu in a leading role. As people who have played any of the Game Boy versions of Pokémon know, this character is of little use in the video game; but it was just right for starring in the anime. First, it is cute enough to attract just about any woman, thanks to a winning character design. Second, the coloring is excellent. Yellow really stands out to the human eye; it is one of the three primary colors and also one of the traffic-light colors. On a traffic light, yellow signifies caution. The meanings of these signals are something that has been imprinted in people’s unconscious minds, so yellow and red characters are attention-getting. Yellow is better than red, moreover, because there are very few competitors of that color. The only other famous yellow character that l can think of is Winnie-the-Pooh, which means that when people see Pikachü from a distance, they could mistake it for Pooh but for no other character. This is very important in terms of easy recognition« 10
Aufgabe der Serie ist es nun, den Kindern anhand einer protoypischen Figur zu vermitteln, wie man das Spiel “richtig” spielt. Die prototypische Figur führt vor, wie man die verschiedenen Spielfiguren geschickt einsetzt, schafft die Illusion einer Welt um das Spiel, die dieses allein nicht erzeugen könnte. Die Pokémon bilden in dieser Welt eine Art materieller Schutzgeister, deren Fähigkeiten den Protagonisten vor den Gefahren seiner Welt schützen.

Zudem baut die Serie ein Wertesystem auf, welches die Welt des Spiels organisiert und erläutert. Neben der simplen Differenz zwischen Gut und Böse, die durch Ash samt Begleitern und seinen Gegnern vom Team Rocket aufgespannt wird (wobei der Unterschied nicht wirklich klar herauszukristallisieren ist, bleiben doch „Gut“ und „Böse“ seltsam leer), könnte man die Arenaleiter und Dr. Eich als Repräsentanten der Erwachsenenwelt ansehen, die aber nur am Rande der Handlung eine Rolle als limitierendes Element oder Ratgeber spielen. Indem die Welt der Pokémon im Wesentlichen eine Welt der Kinder und Jugendlichen ist, erleichtert sie die Identifikation der Kinder mit ihren „Helden“ 11.

Die Verschmelzung von Unterhaltung und Marketing

Die Pokémon-Zeichentrickserie ist - obwohl erzählerisch simpel - im Zusammenspiel mit dem zugrunde liegenden Spiel und den diversen Merchandisingartikeln ein effizientes Werkzeug zur Vermarktung eines Produkt- Komplexes. Sie bietet dem Produzenten des Spiels regelmäßige, kostenlose Werbung, die zudem in harmloser Gestalt daherkommt, so dass ihr Werbecharakter für die Rezipienten nicht offensichtlich ist. Hierbei kommt der simplen und sich ständig wiederholenden Erzählweise die Bedeutung zu, die Werte und Inhalte des Spieles zu transportieren, um die Kinder auf das zu kaufende Spiel einzustimmen.

Sie illustriert die dem Spiel zugrunde liegenden Prinzipien des Trainierens, Sammelns und Wettstreitens und gibt ihm einen Hintergrund, den das Spiel alleine nicht erreichen könnte. Dabei ist es wichtig, zwischen animespezifischen und nur für die Pokémon charakteristischen Stilelementen zu differenzieren, will man verstehen, wie die Serie aufgebaut ist. Erst wenn man klar erkennen kann, was über den Merchandising-Charakter der Serie hinausweist, ist man in der Lage, in ihr mehr zu sehen als ein schrilles Spektakel zur Beeinflussung von Kindern. Erst dann kann verstehen, warum die Pokemon seit fast dreizig Jahren erfolgreich sein können.

Im Folgeartikel wird es eine kleine Einführung in die Welt der Mangas und Animes geben.

  1. 1996. vgl. umw.characterproducts.com/info/character_historys/Pokémon_doon~ay.htm↩
  2. Ein kleines, tragbares Videospielgerät.↩
  3. Das Tamagotchi könnte man als elektronisches Haustierbezeichnen, welches in Form eines kleinen, eiförmigen Videospiels daherkommt. Das Tamagotchi entwickelt ähnlich wie ein echtes Haustier nach seiner Aktivierung ein programmiertes Eigenleben mit Bedürfnissen (z. B. Hunger) und Eigenheiten (es kann z. B. brav oder ungezogen sein). je nach dem, wie man sein Tamagotchi erzieht, entwickelt es sich zu einem guten oder bösen Tier, wobei die jeweilige Entwicklung an einem kleinen LCD-BiIdschirm zu sehen ist (in Form eines kleinen Cartoon-Tieres).↩
  4. ln einer anderen Variante leitet sich Pokémon aus dem japanischen Poketto Monster ab, was ebenfalls soviel wie „Taschen Monster“ bedeutet. vgl. www.characterproducts.com/info/character_historys/Pokémon_doon~ay.htm.↩
  5. vgl. characterproducts.com/info/character_historys/Pokémon_doon~ay.htm.↩
  6. vgl. Retter, Hein:, „Kinderspiel zwischen Medien und Kommerz - Zum Wandel des Spiels in der gegenwärtigen Gesellschaft“, Abschnitt 4, Tübingen 20m; http://umwtu-bsde/institute/allg-paedagogik/kinderspiel.htm. (lm Folgenden zitiert als „Kinderspiel zwischen Medien und Kommerz“.).↩
  7. Der Pokémon-Serie war übrigens ein immenser Erfolg zu eigen, wie folgendes Zitat belegen mag: „In order to first categorise the use quantitatively here is a GfK ratings data sheet for Germany. ln the first half of 2000 over one million watched the programme that was transmitted at 2.45pm every day. The age structure, i.e. the age groups over which the viewers are distributed, shows that it is chiefly children who watch the programme. Pokémon appeals to boys and girls, rather more boys watching it. The market share, ie the figure that indicates what percentage of the respective age groups had their television sets switched on for this programme, indicates the enormous success of the programme, especially in the group of the 6-9-year-olds.« (AGF/GfK PC#TV; IP Deutschland). Götz, Maya:, „What fascinates children about Pokémon?“; Internationales Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZl); München 2001.↩
  8. Sie sind - nebenbei gesprochen - ein Beispiel für den ersten Fall (Computer zu Film und Comic).↩
  9. Bouissou, Jean-Marie: »Manga goes global«, Abs. 1-4, www.ceri-sciencespo.com/archive/avrilOO/artimb.htm↩
  10. Er erwähnt übrigens zuvor, dass Pikachu nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Mütter attraktiv sein sollte. vgl. Kubo Masakazu:, “Why Pokémon Was Successful in America”; http://www.japanecho.co.jp/docs/html/270217.html↩
  11. Hein Ritter schreibt hierzu: »Die emotionale Bindung des Kindes an die Produkte geschieht durch Identifikation. Durch Identifikation des Jungen etwa mit den superstarken Power Rangers, den Serienhelden von Fernsehfilmen, mit starken und damit wertvollen Pokemons erfolgen tiefgreifende Prägungen der Konsumbedürfnisse; die ldentifikationsfiguren werden durch Film, Comic, Computerspiel, Tonkassetten und Figuren auf vielfache Weise im Wertbewussts ein der Kinder verankert«. vgl. Retter, Heim, „Kinderspiel zwischen Medien und Kommerz“, Abschnitt 4, Tübingen 2000.↩

Freitag, 13. März 2015

Dummys sind auch für Lesungen gut




Wie versprochen löse ich heute das kleine Rätsel auf, was es mit meinem seltsamen »Buchtrailer« auf sich hat. Dabei handelt es sich um einen Dummy meines kleinen EBooks »TAO TEH KITTEH«, dass eines meiner kleinen Seitenprojekte neben dem Blog und meiner »Legenden von Tamath«-Reihe ist. Im Folgenden möchte ich zeigen, wie ein solcher Buch-Dummy dem Problem abhelfen kann, dass jeder EBook-Autor hat, der mit seinem Buch auf einer Lesung auftreten will.

Mit einem Dummy verbinden die meisten Menschen das Bild von Crashtest-Dummies, die in mit grellen Signalfarben bemalten Autos vor die verschiedensten Hindernisse rasen. Ein Dummy ist aber in der Buchwelt ein provisiorisch zusammengebautes Exemplar eines Buches, um zu schauen, wie das Endprodukt im Druck möglicherweise einmal aussehen wird. Wie man einen solchen Dummy mit Hausmitteln zusammenbastelt und was das ganze mit Lesungen und EBooks zu tun hat, will ich euch nun zeigen.

Wenn ihr als Ebook-Autoren eine Lesung halten wollt, habt ihr ein Problem (eigentlich sogar mehrere): Ihr habt nichts, was eure Zuhörer anfassen können. Euren Tolino oder Kindle mitzunehmen wäre eine Möglichkeit, aber die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Füße bekommt und unfreiwillig seinen Besitzer wechselt, ist doch recht hoch. Das Manuskript ausdrucken und auf den Präsentationstisch knallen? – Möglich, aber nicht wirklich attraktiv, selbst wenn man es im Copyshop binden lässt.

Der Buch-Dummy ist dagegen eine vergleichsweise einfache Möglichkeit, den Leuten ein Buch in die Hand zu geben, das dem Look and feel eines echten Buches schon nahekommt – sofern man ein gewisses Maß an Fingerfertigkeit beim Zusammenbau besitzt.

Der Trick besteht darin, dass man sein EBook ausdruckt, allerdings nicht jeweils eine Seite, sondern immer zwei Seiten auf ein Blatt. Diese Seiten faltet ihr nun in der Mitte, so dass ihr jeweils eine bedruckte "Vorder"- und "Rückseite" habt (das bewahrt euch davor, umständlich beide Seiten des Papiers umständlich in der richtigen Montierreihenfolge ausdrucken zu müssen). Macht das mit jeder Doppelseite, bis ihr den ganzen Buchblock vor euch habt.

Als nächstes braucht ihr Leim und ein Stück Mullverband. Bindet den Buchblock mit einem Packet-Gummi an der offenen Seite fest zusammen und bestreicht das zusammengebundene Ende mit Leim. Darauf befestigt ihr den Mullverband, der ganz in den Klebstoff eingesunken sein muss. Der Verbandsstoff dient dazu, die Klebebindung haltbar zu machen. Die Fasern verhindern, dass sich Risse im Leim ausbreiten, so dass der Buchrücken nicht bricht. Auf diese Schicht kann man noch einen zusätzlichen Streifen Papier anbringen, das erhöht die Stabilität zusätzlich.

Nach etwa einer Stunde ist der Leim in den meißten Fällen getrocknet, so dass man den Buchblock in den Umschlag einbinden kann. Dazu nehmt ihr die Doppelseite mit dem Titel und klebt in diese ein festeres Stück Karton ein. Beides befestigt ihr mit Hilfe von Faserklebeband am Buchblock. Das Ergebnis ist ein Buch, dass nicht nur wie ein Buch aussieht, sondern auch über Jahre haltbar ist.

Was nun das Buch im Video angeht, so ist das genau so ein Dummy. Ich habe das Tao teh Kitteh-Buch ausgedruckt und zusammengebastelt nachdem Martin Gehring vom Loseblattsammlung-Blog in einem Kommentar meinte, dass das Buch so abgefahren sei, dass es eigentlich gedruckt sein müsste. Zugleich habe ich so ein Exemplar, dass ich zum Beispiel auf Lesungen vorzeigen kann, um zu sage, "guckt mal, das ab ich auch gemacht! Schaut nach dem Ebook im Internet." Das Tolle daran ist, dass die Leute ein "richtiges" Buch in den Händen halten können.

Heute ist es dafür zu spät, aber ich werde in den nächsten Tagen eine genauere Bastelanleitung nachliefern,

euer Georg.

Samstag, 31. Januar 2015

Macht Werbung im Netz Sinn?




Vera Nentwich hat zu einer Blogparade aufgerufen, die sich mit dem Thema "Autorenmarketing im Web – Hilfreich oder unnütz?" befasst. Da das ein Thema ist, dass mich schon seit der Veröffentlichung meines eigenen Buches beschäftigt, möchte ich mich hier der Blogparade anschließen und die Fragen beantworten, die Vera gestellt hat.

Vera: Welche Bedeutung hat dein Blog für dein Marketing im Web?

LF: Literatura Fragmentata hat als Literatur und Theorie-Blog angefangen – also gar nicht als Marketinginstrument für ein Buch – und wird auch als solches wahrgenommen. Ich berichte zwar über die Fortschritte bei meinen Buchprojekten, aber es liegt nicht der Hauptfokus darauf. 

Die Bedeutung meines Blogs für mein MArketing ist eher indirekt. Es ist der Zentrale Ausgangspunkt für alle meine Aktivitäten. Dort stelle ich die Inhalte bereit, die ich auf Facebook und Google Plus teile. Direkte "Werbung" für meine Bücher im klassischen Sinne ist das nicht, es geht eher darum, zu zeigen dass ich bestimmte Kompetenzen habe und das Wissen, über das ich verfüge, zu teilen.

Vera: Wie oft veröffentlichst du einen Blogartikel und zu welchen Themen schreibst du?

LF: Zur Zeit versuche ich, jeden Freitag einen Blogartikel zu veröffentlichen. Ich glaube, dass ein fester Veröffentlichungstermin hilft, die Leute an das Blog zu binden, weil sie sich so darauf einstellen können, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt etwas Neues auf dem Blog zu finden sein wird. Das gelingt mir allerdings im Moment nur leidlich gut, wie man ja an diesem Blogpost hier sehen kann ;-)

Der Hauptanteil meiner Themen machen Tipps zu Schreibtechniken aus. Weil ich glaube, dass es aber mit schön schreiben nicht getan ist, gebe ich oft Tipps, wie man seinen Autorenalltag organisieren kann, welche Mittel dabei helfen können. Ich berichte auch über meine Fortschritte bei meinen verschiedenen Projekten und über die Erfahrungen, die ich dabei gemacht habe.

Gelegentlich schreibe ich auch Rezensionen, die aber von dem auf vielen Buchblogs vertretenen Rezensionen insofern abweichen, als dass ich nicht das gängige Schema Buchdaten - Klappentext/Zusammenfassung - Eigene Meinung/Leseeindruck - Bewertung benutze. Meine Rezensionen sind eher kurze Analysen von Büchern, an denen mir etwas aufgefallen ist. Mir geht es eher darum, in den Rezensionen zu schauen, was an dem jeweiligen Text funktioniert und was nicht, und weniger darum, ob mir das Buch jetzt gefallen hat oder nicht. Da solche Rezensionen aber vergleichsweise aufwendig sind, schreibe ich sie eher selten.

Vera: Auf welchen Social-Media-Plattformen bist du vertreten und wo besonders aktiv?

LF: Ich teile meine wöchentlichen Posts auf Google Plus und Facebook in meinem Stream bzw. in meiner Chronik sowie in ein oder zwei ausgewählten Gruppen. Daneben habe ich angefangen meine Bilder auf Pinterest einzustellen.

Generell fühle ich mich eher auf Google Plus zuhause, da ich den Eindruck habe, dass es dort ein wenig "erwachsener" zugeht. Google Plus bietet auch feinere Möglichkeiten, Inhalte gezielt auf bestimmte Personenkreise auszurichten. Der überwiegende Teil meiner Blogleser kommt über die großen sozialen Netzwerke. Diese sind inzwischen die Hauptquelle meiner Besucherzahlen.

Bevor ich zur nächsten Frage übergehe, möchte ich noch etwas zum Thema Gruppen sagen: Meiner Meinung nach bringt es mehr, in einigen wenigen, ausgewählten Gruppen zu sein, als möglichst viele davon zu bespielen, wie das Viele tun. Das es nichts bringt, kann jeder selbst feststellen, wenn man auf Facebook schaut und ein und die selbe Nachricht im Dutzend präsentiert bekommt (Meist so etwas wie "ICH.HABE.EIN.GEILES.BUCH.GESCHRIEBEN! DU.MUSST.ES.LESEN.SOFORT!"). Das nervt und bringt nichts (außer, das die Leute schnell wieder aus meiner Freundesliste verschwinden).

Vera: Wie oft postest du etwas auf den Social-Media-Plattformen und was sind die Inhalte deiner Posts?

LF: Ich schätze durchschnittlich so 2-3 Posts pro Woche. Ich kommentiere verhältnismäßig viel.

Vera: Auf welchen Special-Interest-Plattformen, wie Lovelybooks usw., bist du vertreten? Wie aktiv nutzt du sie?

LF: Im Moment habe ich mich noch nicht großartig mit Special-Interesst-Seiten befasst. Ich will mich aber in Zukunft näher mit Lovelybooks beschäftigen.

Vera: Gibt es noch andere Tools im Web, die du für dein Marketing nutzt?

LF: Ich benutze Hootsuit und daneben CircleCount, um meine Entwicklung auf Google Plus zu beobachten. Außerdem benutze ich Bitly, um einen Überblick über meine Downloadzahlen für Material, das ich auf meinem Blog zur Verfügung stelle zu bekommen.

Vera: Wie definierst du Erfolg für deine Aktivitäten im Web?

LF: Das ist schwer zu sagen. Ich sehe das ähnlich wie Vera: Jeder Text, den ich schreibe, aber auch jeder Kommentar, den ich auf Google Plus oder Facebook mache, baut Stück für Stück das Bild auf, dass ich als Blogger und Autor von mir preisgebe. Der Effekt bezogen auf mein Buch "Jenseits der schwarzen Berge" ist da eher indirekt. Der Erfolg, wenn man das so nennen möchte, ist für mich eher daran ablesbar, dass ich inzwischen auf Google Plus ein bis zwei neue Follower pro Woche kriege, ohne selbst aktiv Leute einzukreisen. Außerdem bewege ich mich auf die magische Grenze von tausend Lesern zu, was fast schon mehr ist, als manche Special Interest-Magazine haben ;-)

Vera: Hast du weitere Pläne oder Ziele für deine Marketingaktivitäten im Web?

LF: Ich werde versuchen in 2015 mein Buch mehr zu bewerben. Im Moment lese ich mich in die Marketing-Thematik ein, weil ich denke, dass eine Ad-hoc-Herangehensweise entweder nichts bringt oder sogar eher schädlich sein kann (zum Beispiel Buchspam auf Facebook und Google Plus).

Vera: Was ist dein Tipp an alle Anderen, die sich auch mit Autorenmarketing im Web beschäftigen?

LF: Wenn ich einen Tipp geben soll, dann ist das Folgender: Macht euch Gedanken um das Marketing, bevor ihr euer Buch fertiggeschrieben habt. Werbt überlegt! Seid nicht ungeduldig! Und geht anderen nicht auf den Keks, das ist kontraproduktiv.

Donnerstag, 11. April 2013

Neue Möglichkeiten, neue Herausforderungen: Den eigenen Text vermarkten

Seit einigen Jahren bildet sich mit den neuen Möglichkeiten, die das Internet bietet, eine recht umfangreiche und lebendige Independent-Szene im Literaturbereich aus. Zahlreiche Autoren aus dem Amateur- und semiprofessionellen Bereich haben nun die Chance, abseits der etablierten Verlage eigene Wege zu gehen und so Texte zu präsentieren, die durch das Raster des Literatur-Establishments fallen würden. Ein Thema, was nahezu alle Independent-Autoren umtreibt, liegt dabei in der Frage, „Wie bringe ich meinen Text ans Publikum?“ Zugleich Produzent und Vermarkter seines Textes zu sein, stellt so manchen vor unerwartete Herausforderungen. Grund genug, jemanden zu fragen, der in Sachen Selbstmarketing schon einige Erfahrung hat. Zu diesem Zweck hat Literatura Fragmentata Bernd Badura, Autor und Betreiber des Tintenkleckser-Blogs, zum Thema Marketing im Eigenverlag befragt.

Foto: Christian Seidel | pixelio.de
LF: Hallo Bernd, schön, dass du dich zu diesem Interview bereitgefunden hast. Du hast ja vor kurzem dein erstes größeres Buchprojekt, „Werke eines großen Meisters“ veröffentlicht. Wie beurteilst du den Stand deines Projekts?

Bernd: Hallo Georg, vielen lieben Dank für das Interview. So langsam würde ich sagen, das Buch ist in seiner finalen Phase angekommen. Den vierten und letzten Teil habe ich gerade auf KDP (Kindle Direct Publishing, Anm. LF) hochgeladen. Ich bin schon sehr gespannt, wie meine Leser das Finale finden, da ich mir ja doch noch die ein oder andere Überraschung für das Ende aufgehoben habe. Ich hoffe sehr, die Leute mögen das kleine Feuerwerk, das ich zum Schluß noch einmal abbrenne und sie fühlen sich von den Wendungen im Finale positiv überrascht. Außerdem ist nun auch endlich eine Printausgabe auf Amazon und Lulu erhältlich. Die offizielle Einweihungslesung wird ja dann am 18.04 2013 in Gelsenkirchen stattfinden. (Mehr dazu gibt es natürlich wie immer auf meinem Blog.)

LF: Als du mir damals die ersten Entwürfe zu den „Meisterwerken“ gezeigt hast, war ich sehr skeptisch, was die Veröffentlichungschancen für dein Buch anging – es war in meinen Augen zu eigenwillig, als das es in das Programm eines etablierten Verlages gepasst hätte. Wäre es auf meinem Tisch gelandet, hätte ich dafür keinen Markt gesehen. Inzwischen hast du viele positive Rückmeldungen und Rezensionen und sogar eine Einladung auf die Leipziger Buchmesse erhalten. Hat dich der Erfolg deines Buches selbst überrascht?

Bernd: Die Einladung für die Leipziger Buchmesse war eine große Überraschung und Ehre für mich, die ich sehr gerne wahrgenommen habe. Ich hatte wirklich einen sehr schönen Tag und konnte ­– ganz nebenbei – viele neue Einblicke gewinnen.

Was deine Einschätzung meines Buches angeht, so muss ich dir im Prinzip recht geben: Ich habe mich ganz bewusst mit meinem Buch zwischen alle Stühle gesetzt und mit sehr viel Liebe und Akribie etwas Eigenes erschaffen. Ich wollte endlich mal wieder etwas Frisches und Neues haben, Etwas, das ich selbst gern lesen würde und von dem es in letzter Zeit einfach viel zu wenig gegeben hat. Also habe ich ein Buch geschrieben, das gleichermaßen zum Träumen und zum Nachdenken anregt. Ein Kurzgeschichtenerzählroman, der zudem ein paar Gedichte enthält.

Etwas, von dem man schlecht sagen kann, wie es am Markt ankommt, eben. Darum ist es auch nicht sehr verwunderlich, dass alle großen Verlage, wie du es schon erwartet hattest, mein Manuskript abgelehnt haben. Das ist allerdings kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken und zu denken, man habe ein schlechtes Buch geschrieben, das keine Leser finden würde. Immerhin enthält „Werke eines großen Meisters“ schöne, liebevoll erzählte Geschichten, mit sehr vielen frischen Ideen, die – meiner Meinung nach – im positiven Sinne die ausgetrampelten Trendpfade des Mainstream verlassen.

Außerdem gibt es genügend Beispiele, in denen die etablierten Verlage richtig guten und erfolgreichen Büchern eine Absage verpasst haben. (Ich habe eh das Gefühl, dass die großen Verlage in letzter Zeit viel zu sehr auf ihren Profit und viel zu wenig auf die Qualität ihrer Produkte achten. Was ja auch einer der Gründe für die lebhafte Indie-Szene ist.)

Das die Leser meines Buches so begeistert und euphorisch reagieren, das hätte ich allerdings nun wirklich nicht erwartet. Und ich muss gestehen: Es ist schön, so vielen Menschen eine große Freude bereitet zu haben. Ich bin, was das angeht, wirklich überwältigt, ein kleines bisschen stolz und auch ein wenig gerührt.

LF: Welche Maßnahmen hast du ergriffen, um dein Buch bekannt zu machen?

Bernd: Oh, da gibt es sehr viele. Im Zentrum stehen natürlich meine Lesungen und mein Blog. Aber ich suche auch in Chaträumen das Gespräch mit meinen Lesern, schreibe auf Facebook, Google+ und immer mal wieder auf Twitter. Des Weiteren habe ich mir natürlich auch ein wenig Pressearbeit geleistet, mich nach Rezensionen umgesehen und dementsprechend auch Rezensionsexemplare herausgegeben. Außerdem habe ich Postkarten drucken lassen und Flyer verteilt.

Demnächst habe ich noch ein paar außergewöhnliche Guerilla-Werbeaktionen vor, die derzeit allerdings noch nicht ganz spruchreif sind. Und zu guter Letzt habe ich mir sehr viel Mühe gegeben, dass nicht nur das Cover, sondern auch das Buchlayout (sowohl des E-Books, als auch der Printausgabe) schön wird. Das Auge liest schließlich mit.

LF: Wie groß ist der Aufwand, um dein Buch zu bewerben?

Bernd: Groß, sehr groß sogar. Es gibt tatsächlich Tage da bin ich nur mit meinem Buch beschäftigt. Man muss allerdings dazu sagen, dass man als sogenannter Indie-Autor, wenn man es seriös angeht, nicht nur Autor, sondern auch Verleger, Layouter und zudem seine eigene Werbeagentur ist. Denn wenn man an sein Buch glaubt, so wie ich es tue (schließlich habe ich daran viele Jahre gearbeitet und gefeilt), so will man es auch schön gesetzt und layoutet haben.

Bei so viel Aufwand wäre es natürlich wirklich schade, wenn das Buch keine Leser findet, also kümmert man sich natürlich auch noch darum, was bei 1.400 Büchern, die täglich auf den deutschen Markt erscheinen, alles andere als einfach ist. Und schwupps, schon hat man ganz schön viel zu tun.

LF: Wie hoch schätzt du die Kosten für die Veröffentlichung deines Buches ein?

Bernd: Ganz ehrlich? Ich will Partner haben, die mein Buch vertreiben. Deshalb habe ich mir auch Print on Demand-Dienste gesucht, die es einem Autoren ermöglichen, kostenfrei zu verlegen.Sprich: Ich habe nichts für das Verlegen meiner Bücher bezahlt und habe auch nicht vor, dafür zu bezahlen. Ein fairer Deal, wie ich finde, schließlich verdienen auch diese Dienste schon beim ersten Verkauf meiner Bücher etwas. Ein paar Werbemaßnahmen haben dann zwar doch ein wenig Geld gekostet, aber die Kosten halten sich stark im Rahmen. Mich kostet das Ganze vor allen: Arbeit.

LF: Hast du schon etwas mit deinem Buch verdient?

Bernd: Ja, ein wenig schon. Aber ich bin noch sehr weit davon entfernt, von den Einnahmen leben zu können. Ein gutes Abendessen wäre allerdings schon drin.

LF: Machen wir einen kleinen thematischen Schwenk: Welchen Stellenwert hat das Feedback deiner Leser für dich?

Bernd: Da ich in sehr engen Kontakt mit meinen Lesern stehe, ist mir ihr Feedback sehr wichtig. Glaub mir, es ist sehr schön, wenn man merkt, dass man so vielen eine große Freude machen konnte. Außerdem sind mir ihre Meinungen und konstruktive Kritik immer willkommen. Was nun aber auch nicht heißen soll, dass ich mich zu sehr nach meinen Lesern richten möchte.

Joss Whedon hat einmal gesagt, dass er seinem Publikum das gibt, was es braucht und nicht das wonach es verlangt und so möchte ich es auch halten. Ich will weiterhin so gut schreiben, wie es mir möglich ist. Mein Name soll schließlich für gute Literatur stehen. Außerdem denke ich, daß gute Schriftsteller eine Art Dialog mit ihren Lesern führen. Als guter Autor sollte man das schreiben, was einen selbst bewegt und nicht für irgendeine Zielgruppe.

Da ich aber immer wieder merke, dass meine Leser einen ähnlichen Geschmack wie ich haben, mache ich mir ehrlich gesagt auch keine größeren Gedanken, ob ich sie wieder verprellen könnte.

LF: Welche Plattformen nutzt du, um mit deinen Lesern zu kommunizieren?

Bernd: Ich kommuniziere überall mit meinen Lesern. Per E-Mail, in Chaträumen der Bloggergemeinde (vor allen Blogzug/Blog-Tags), auf meinem Blog, bei Facebook, bei Google+, auf Lesungen. Es macht wirklich Spaß in Kontakt mit seinen Lesern zu stehen, zumal ich auf diesem Wege ein paar sehr liebenswerte, intelligente und interessante Menschen kennengelernt habe, mit denen das Diskutieren und Philosophieren (ebenso wie gelegentliches Rumblödeln (der Spaß sollte schließlich nicht auf der Strecke bleiben)) sehr viel Spaß macht.

LF: Über welchen Kanal erhältst du am meisten Feedback ?

Bernd: Schwer zu sagen. Rezensionen sind zum Beispiel eine sehr gute und detaillierte Feedbackquelle, aber auch die Gespräche und Kommentare meiner Leser sind ein sehr gutes Feedback.

LF: So eine Buchproduktion kann ja durchaus aufwendig werden. Kooperierst du mit anderen oder machst du alles in Eigenregie?

Bernd: Niemand kann alles alleine machen. Das Cover wurde zum Beispiel von Adrian Koppenhagen gestaltet. Du hast ja mein Buch – zusammen mit Martin Gehring – lektoriert. Was Lesungen angeht, kooperiere ich unter anderem mit Ina Tomec, Frank Bruns, Harry Michael Liedtke, Jenny Canales und ein paar weiteren Autoren und Veranstalter.

LF: Wie wichtig ist dir die Zusammenarbeit mit anderen?

Bernd: Nun ja, als Autor muss man vieles alleine machen und so manches mal seinen Dickkopf durchsetzten. Trotzdem bin ich sehr gerne ein Teamplayer. Der Mensch ist nun mal ein soziales Wesen und ich für meinen Teil bin es auch gerne. Nicht nur, weil es Spaß macht, sondern auch, weil man sehr durch die Meinungen und Fähigkeiten der anderen profitieren kann.

LF: Zu guter Letzt noch eine abschließende Frage: Was würdest du angehenden Autoren als Ratschlag mit auf den Weg geben?

Bernd: Niemals aufgeben, dickköpfig sein und an sich selbst glauben. Außerdem: Schreibt, was euch Spaß macht. Gut zu schreiben ist viel, viel Arbeit und um diese gut machen zu können, muss man mit Spaß dabei sein, sonst wird man kein größeres Projekt zu Ende bringen.

LF: Bernd, vielen Dank für das Gespräch.

Bernd: Also eigentlich ist es an mir, mich für die interessanten Fragen zu bedanken. Ich hoffe, ihr hattet Spaß am Lesen.