Posts mit dem Label Lektorat werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Lektorat werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 4. Februar 2016

HIC SUNT LECTORES – Über den Sinn und Unsinn eines Lektorates im Selfpublishing


Da sich zur Zeit alle Welt an dem Thema »Lektorat -- ja oder nein?« aufhängt, habe ich mich entschieden, nun ebenfalls meinen Senf dazu zu geben. Einerseits bin ich der Meinung, dass kein Text unkorrigiert auf die Welt losgelassen werden sollte, andererseits sehe ich das Problem, dass ein Lektorat, das seinen Namen wirklich verdient, von vielen finanziell kaum darstellbar sein wird.

Ich habe nun schon fünfzehn Jahre Erfahrung im Redigieren und Bearbeiten von Texten. Als Redakteur einer wirtschaftlich-politisch/technischen Zeitschrift ist mir schon jeder Schreibstil vom geschliffenen Agenturtext bis zur Stichpunkteliste eines Maschinenbauingenieurs über den Tisch gelaufen. Insofern weiß ich, dass es Leute gibt, die der Hilfe beim Verfassen von Texten dringend bedürfen. Das gilt auch und besonders für Selfpublisher. Nun mag ich mich aber nicht gerne auf die eine oder andere Seite schlagen, sondern bin immer dafür, die Sache etwas differenzierter zu sehen:

PRO


Der Bedarf an professioneller Unterstützung für Autoren folgt einer Gaussschen Normalverteilung, d. h. es gibt einige wenige, so wie Anja Bagus (die ich sehr dafür achte), die es allein hinkriegen, dann gibt es die große Masse, denen ein Lektorat weiterhelfen kann und schließlich gibt es noch die Wenigen, bei denen auch ein Lektorat nicht mehr helfen würde.

Leider bestimmt dieser Rattenschwanz verlorener Seelen die Wahrnehmung der Öffentlichkeit, jedenfalls, wenn man die Indie-Szene betrachtet. Wenn wieder einmal gegen das Selfpublishing geschossen wird, so kann man fast sicher sein, dass einer dieser unlesbaren, von völlig talentfreien Menschen in die Tastatur gepressten Texte aus der Versenkung hervorgezogen wird, um zu demonstrieren, wie übel es doch ohne eine Kontrollinstanz um den Buchmarkt bestellt ist. Die Folge: In den Köpfen setzt sich fest: »Selfpublishing ist Schund!«

Ein Lektorat oder wenigstens ein Korrektorat kann ein Werk vor den gröbsten Schnitzern bewahren. Insofern würde ich jedem der die Gelegenheit hat, raten, ein solches wahrzunehmen. Ein Lektor kann natürlich auch keine Wunder vollbringen, aber er kann jeden halbwegs ordentlich geschriebenen Text sowohl inhaltlich/logisch als auch in Bezug auf die Orthographie aufwerten (Die meisten Lektoren machen stillschweigend nebenher auch ein »Korrektorat«, d.h. sie achten auch auf die Rechtschreibung des Textes.).

Nun kann man sich fragen: »Was soll das? Lesen kann doch jeder und schreiben hab ich in der Schule gelernt. Warum soll ich dafür bezahlen?«

Ganz einfach: Es besteht ein Unterschied zwischen Lesen und Korrekturlesen.

Wenn man so wie ich lange Zeit damit verbracht hat, die Fehler und Ungereimtheiten in Texten zu finden, bekommt man ein ganz anderes Gespür dafür, was »geht« und was nicht. Das ist wie bei einem trainierten Spürhund, der seine Beute auch im tiefsten Dickicht aufspüren kann. Konkret heißt das, dass ich zum Beispiel an keinem noch so schlichten Text vorbeigehen kann, ohne die Fehler im Text, auf der semantischen Ebene, der Typographie oder im Layout zu sehen (Eines meiner liebsten Beispiele ist die Stilblüte, die einige Zeit lang auf den Packungen einer bekannten Keks-Marke stand: »Recyclinghinweis: Flachgelegt gehöre ich ins Altpapier!« – Es war kein Schelm, der sich das ausgedacht hat, aber man kann Arges dabei denken...).

Wie aber läuft so ein Lektorat konkret ab? Wenn ich ein Manuskript bekomme, gehe ich dieses durch und korrigiere alle Fehler, die ich finden kann. Zudem mache ich an Stellen, wo ich auf logische Fehler oder andere Ungereimtheiten stoße, Anmerkungen, wie diese Probleme zu beheben sein könnten. Manchmal schlage ich auch vor, ganze Absätze zu streichen oder zu verschieben, falls diese an der entsprechenden Stelle nicht passen. Manchmal ist es aber auch nötig, dem Text etwas hinzuzufügen, damit die Logik und Kontinuität des Textes gewahrt bleibt.

Dabei ist immer wichtig, zu bedenken, dass es NIE darum geht, dass ich meine eigene Vorstellung davon, wie der vor mir liegende Text zu sein hat, durchdrücke, sondern darum, dem Autor Vorschläge zu machen, wie er seinen Text besser machen kann. Ich greife zwar in den Text des Autors ein, aber es bleibt immer SEIN Text. Insofern hat das Lektorieren mehr einen therapeutischen als einen technischen Charakter. Ich bin der Berater des Autors, nicht sein Anweiser.

Das ist letztendlich die Dienstleistung, für die man den Lektor bezahlt.

KONTRA


Andererseits kostet so ein Lektorat eine Menge Geld. Da kommt man schnell auf ein Kostenlevel, das ökonomisch für einen kleinen Autor nicht mehr darstellbar ist. Die Rechnung ist dabei ganz einfach: Die Wahrscheinlichkeit, dass man Exemplare in ausreichender Menge verkauft, um das Lektorat und andere Dienstleistungen (Layout, eBook-Erstellung etc.) wieder hereinzuholen, ist nicht sehr groß. Das liegt darin begründet, dass man alle Dienstleistungen anteilig auf den Buchpreis umlegen müsste. Dadurch steigt der Preis für das Exemplar bei einer für ein selbstveleges Buch typischen Auflage von 300-500 Stück so hoch, dass das Buch wesentlich teurer wird als der Durchschnittspreis, der im Selfpublishing üblich ist. Damit wird aber auch das Buch nicht gekauft und die Ratte beißt sich in den Schwanz.

Ein Grund für die prekäre Lage, in der sich Autoren und Lektoren befinden, ist darin zu suchen, dass das Buch von den Kunden inzwischen als Commodity (Eine Ware, die sich von anderen Büchern nur durch die Menge und den Preis absetzt.) gesehen wird. Wer kennt nicht die Posts, in denen es heißt, »Ich habe wieder 20+X Bücher bei Rebuy gekauft!« Es ist also schwierig, das Geld, welches man in ein Lektorat investiert, auch wieder hereinzuholen.

Umgekehrt bedeutet das aber auch, dass es für die Lektoren schwierig wird, von Selfpublishern Preise zu verlangen, die wirtschaflich angemessen sind. Das ist einer der Gründe für mich, meine Fähigkeiten nicht regelmäßig als Lektor im Nebenverdienst, sondern nur gelegentlich ausgewählten Freunden und Bekannten anzubieten (und dann im Wesentlichen auf Gegenseitigkeit). Das Geld, was die Autoren in der Regel zu bezahlen bereit sind, wiegt den Arbeitsaufwand (ca. 30 Stunden für ein 300-Seiten-Buch), den ich damit habe, nicht auf.

Deshalb kann ich jeden Selfpublisher verstehen, der sagt, »Ich kann mir im Moment kein Lektorat leisten!« Letztendlich läuft es ganz unideologisch auf die Frage hinaus, ob sich die Kosten wirtschaftlich darstellen lassen. Man muss jetzt allerdings nicht glauben, dass man (zumindest was Klein(st)verlage betrifft) als Verlagsautor garantiert besser fährt. Mir sind Verlage bekannt, die ihren »Lektoren« eine Pauschale von 50 Euro pro Buch bezahlen. Das sind dann meistens Studenten, die sich ein Zubrot verdienen oder verzweifelte Seelen. Wie gut so ein Lektorat ausfällt, kann man sich denken.

Nun bleibt noch eine Frage: Was kann man tun, wenn man sich ein Lektorat, dass diesen Namen verdient, schlicht nicht leisten kann?

Eine Möglichkeit ist, sich mit anderen Autoren zusammenzutun und gegenseitig die Texte der Anderen zu redigieren. Gut ausgewählte Testleser können ein Lektorat zwar nicht ersetzen, sind aber ein möglicher Behelf. Wichtig ist dabei, dass man sich Personen sucht, die nicht nur ein Geschmacksurteil abgeben, sondern auch auf die technische Seite des Textes achten.

Man kann sich mit anderen Autoren zu einem Kollektiv zusammenschließen, um gegenüber den Lektoren bessere Angebote machen zu können, indem man zum Bespiel Bündelangebote macht (Im Sinne von »Wir sind ein Kollektiv von X Autoren, mach uns ein gutes Angebot und du bekommst von uns allen Lektoratsaufträge.« – Es geht nichts über eine Reihe gesicherter Aufträge). Das kann soweit gehen, dass man eine Autorengenossenschaft gründet, die neben dem Lektorat auch noch andere Dienstleistungen günstiger einkaufen kann (z. B. Layout, Cover usw.).

Ein Lektorat ist hilfreich, wenn man es sich leisten kann

Welches Fazit möcht ich nun, wo wir zum Schluss des Artikels kommen, ziehen? Ein Lektorat wird für die meisten Selfpublisher sinnvoll sein, aber man muss sehen, dass die Kosten, die es verursacht, auch wieder hereingespielt werden. Bei vielen wird das nicht der Fall sein, insofern ist es von Bedeutung, hier Alternativen zu finden, die das fehlende Lektorat zumindest teilweise kompensieren können. Ein fester Stamm von Test- bzw. Korrekturlesern, die mehr können als zu sagen »gefällt mir« oder »gefällt mir nicht« ist dabei ein guter Anfang.

Freitag, 5. Dezember 2014

Autoren und Lektoren: Ein gespaltenes Verhältnis?


Wenn ich in den verschiedenen Autorengruppen auf Facebook unterwegs bin, fällt mir immer wieder auf, dass gerade unter den Indie-Autoren/Selfpublishern teilweise sehr seltsame Vorstellungen darüber kursieren, was die Aufgaben eines Lektors sind. Ich möchte das heute einmal andiskutieren und außerdem einen kleinen Einblick geben, was ein Lektor so den ganzen langen Tag tatsächlich tut. Ganz zum Schluss gibt es ein paar Tipps, wie man mit einfachen Mitteln dafür sorgen kann, dass das eigene Manuskript besser wird.

Gängige Vorurteile


Zu den gängien Vorurteilen, denen ich in den verschiedenen Autorenforen begegnet bin, gehören Sätze wie, "Das sind die, die vom Verlag angestellt sind, um Bücher abzulehnen. Die schreiben dir deinen Text um, um ihr eigenes Ego zu pflegen / ihre Sicht der Dinge durchzudrücken. Die kürzen meinen Text zusammen, bis ihn keiner mehr wiedererkennt" usw. Das ist natürlich Unsinn.

Die primäre Aufgabe eines Lektors ist nicht, Bücher abzulehnen, sondern die Publikationen, die vom Verlag angenommen werden, in eine veröffentlichungsreife Form zu bringen. Das Ego eines (guten) Lektors hat auch wenig mit seiner Arbeit zu tun. Es geht auch nicht darum, einen Text bis zur Unkenntlichkeit zu verstümmeln.

Was ein Lektor tatsächlich tut


Meine Hauptarbeit besteht darin, dass ich als Redakteur einer Fachzeitschrift (von Büchern allein kann man nicht leben) die Manuskripte der verschiedenen Fachautoren so bearbeitet, dass sie vom Aufbau her in das Konzept des Heftes passen. Das kann von einem simplen Absuchen des Manuskripts nach Tipp- und Rechtschreibfehlern bis zum fast kompletten Neuschreiben des Artikels reichen, wenn die Vorlage von der Form her einfach zu schlecht ist (was sehr selten vorkommt). Meistens liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Neben Rechtschreibfehlern sind die häufigsten Fehler in der falschen Anwendung von Fällen oder in falsch gebauten oder unvollständigen Sätzen zu suchen.

Ein beliebter Fehler ist – zumindest bei den Artikeln – ein Mangel an Struktur oder aber, als Extrem am anderen Ende des Spektrums, ein Überschuss derselben. Viele Artikel haben keinen ordentlichen Vorspann sowie keinen definierten Schluss und gelegentlich auch keine Gliederung, so dass meine Aufgabe als Redakteur darin liegt, dem Leser einen Einstieg und einen Ausstieg aus dem Text zu geben. Es gibt aber auch Artikel, die mit einer tiefgestaffelten Gliederung aufwarten und im Wesentlichen aus Aufzählungspunkten bestehen. Hier ist es wichtig, die Gliederungsebenen zu reduzieren und aus den Aufzählungen ganze Absätze zu machen.

Nach der Manuskriptkorrektur geht der bearbeitete Text an den Autoren, der schließlich den Text mit den von ihm freigegebenen und neu hinzugefügten Korrekturen an uns zurückschickt. Diese Freigabefassung wird in das Layout gegeben, wo dann die endgültige Druckfahne hergestellt wird. Diese wird sodann noch mehrmals überprüft, um Konvertierungs- und eventuell übersehene Fehler auszuschließen, bevor das Heft schließlich an die Druckerei gesendet wird. Von dieser kommt schließlich der finale Plott (Ein Abzug der Druckplatten/-daten, heutzutage meist digital), der noch einmal vor der endgültigen Freigabe genau kontrolliert wird.

Bei den Büchern ist das Procedere im Wesentlichen nicht anders, lediglich der Umpfang ist größer. Bei Büchern muss man zudem mehr auf die inhaltliche Konsistenz achten. Ansonsten gelten dieselben Regeln wie für einen kurzen Artikel, man muss auf die Sprache achten, schauen, dass die Übergänge stimmen, dass keine Rechtschreibfehler im Text sind oder alle Namen und Bezeichnungen stimmen. Bei Büchern ist es außerdem wichtig, auf die inhaltliche und logische Konsistenz des Textes zu achten.

Die Texte und die Inhalte ändern sich, aber das Handwerk bleibt gleich.


Eine Sache, die wichtig ist, aber gern übersehen wird, ist, auf das Layout zu achten: Stimmt der Satzspiegel? Ist die Paginierung richtig? Sind alle Seiten da? Sind die Grafiken (so vorhanden) da und in der richtigen Auflösung? Sind die Schriftarten alle richtig gesetzt?

Das alles sind Fragen, denen man sich spätestens vor dem Hochladen des Buchblocks auf den Server der Druckerei stellen muss.

Was tun, wenn man sich keinen Lektor leisten kann?


Die wenigsten Independent-Autoren werden sich einen professionellen Lektor leisten können. Es gibt aber ein paar kleine Tricks, wie man auch von zu Hause aus die Qualität seiner eigenen Texte verbessern kann.
  1. Gehe zuerst alle formalen Aspekte durch, wie sie oben beschrieben sind.
  2. Den Text Zeile für Zeile lesen: Drucke das gesamte Manuskript aus, nimm ein weißes Blatt und lege es auf die jeweilige Seite. Ziehe dieses Blatt Zeile für Zeile nach unten. So ließt du jeweils immer nur diese eine Zeile.
  3. Nutze dein Handy oder PC, um dein Manuskript in eine Audiodatei zu diktieren. Höre dir diese Datei an. So kannst du sprachliche Schwachstellen im Text entdecken. Alternativ kannst du auch  jemand anderen den Text vorlesen lassen und das aufzeichnen. Höre dir die Aufnahme mehrmals an, bis du alle Fehler gefunden hast.
  4. Bei Textteilen wie dem Titel kannst du mit einem Bleistift dünne Striche zwischen den Silben machen. so fallen dir Fehler schneller auf. Lies dir selbst den Titel-Text wie ein Erstklässler vor.

Ich hoffe, dass diese kleinen und einfach umzusetzenden Tipps für euch eine Hilfe sein können, denn auch bei einem selbstverlegten Buch sollte das oberste Ziel sein, ein Produkt so gut wie möglich zu produzieren.

Samstag, 8. März 2014

Lesen kann doch jeder…



Die Frage, ob man einen Lektor braucht oder nicht, wird in Selfpublisherkreisen immer wieder kontrovers diskutiert. Zwischen ‘Du musst auf jeden Fall einen Lektor drüber schauen lassen’ bis zu ‘Das sind doch alles Betrüger, die einem für was Geld aus der Tasche ziehen, was jeder kann’ kann man zu diesem Thema fast jede mögliche Meinung finden. Tatsächlich gibt es aber jenseits aller Ressentiments einige manifeste Probleme, die die Zusammenarbeit zwischen Lektoren und Selfpublishern erschweren. Vor kurzem habe ich dazu in einer Facebookdiskussion Folgendes geschrieben:

“Ein generelles Problem liegt zum Beispiel für Lektoren darin, dass es zwar mit den Selfpublishern einen potentiell großen Markt gäbe, diese aber sich angemessene Preise nicht leisten können (Vorausgesetzt, die Dienstleistung ist in Ordnung). In anbetracht der Tatsache, dass sich bei den meisten selbstverlegten Büchern die Reichweite maximal im sehr niedrigen dreistelligen Bereich bewegen dürfte, ist ein ernsthaftes Lektorat finanziell nicht darstellbar. Selbst wenn man den Minimalpreis von 3 € ansetzt, ist man für ein durchschnittliches Buch von 300 Seiten schon bei einem Preis von 900 €, und die muss man erst einmal verdienen. Also entweder man hat Glück, und trifft einen Lektor, der nebenher solche Texte liest (quasi als Ausgleich) oder man muss improvisieren.”

Dasselbe Problem gilt in ähnlicher Weise auch für Kleinverlage, die meistens finanziell nur unwesentlich besser ausgestattet sind. Und selbst die etablierten Verlage sparen sich ein Lektorat aus Kostengründen immer öfter, wenn das Buch nicht gerade ein Prestigeobjekt ist.

Sind drei Euro nicht zuviel für ein bisschen lesen?


Jetzt kommen wir zu dem Teil, von dem viele denken, das kann doch jeder! Was tut ein Lektor denn anderes, als einmal über den Text zu lesen, ein paar Fehler herauszuholen und das war’s dann? Tatsächlich ist es so, dass das Finden von Fehlern nur ein kleiner Teil der Arbeit eines Lektors ist. Und selbst hier ließt ein Lektor anders als ein gewöhnlicher Leser: Wärend man im Alltag dazu neigt, nicht allzu offensichtliche Fehler einfach zu überlesen, ist ein Lektor, der diese Bezeichnung verdient, durch lange Erfahrung darauf getrimmt, bei der Fehlersuche weniger in Sinnzusammenhängen zu lesen, sondern vielmehr Wort für Wort einzeln zu erfassen, wobei er zugleich auf die Struktur des Satzes achtet. Das Ganze ist ein Akt höchster Konzentration.

Außerdem gibt es typische Fehler, die von vielen Autoren immer wieder gemacht werden. Bei mir ist es nach dreizehn Jahren im Verlag inzwischen so, dass ich an nichts Geschriebenem mehr vorbeigehen kann, ohne sofort die Fehler zu sehen, die in dem Textstück gemacht wurden, was etwas peinlich ist, wenn man z. B. mitten auf dem Supermarktparkplatz vor dem Werbeplakat stehen bleibt und laut ausruft, ‘O Gott, was machen die für einen Scheiß!’ (Anders herum ist es bei mir so, dass ich in meinen eigenen Texten meine typischen Fehler nicht mehr sehe, weshalb ich nie auf meine Betaleser verzichten würde, obwohl ich das Korrekturlesen zu meiner Profession erhoben habe)

Mit der Fehlersuche ist die Arbeit eines Lektors noch nicht vorbei. Ein guter Lektor unterstützt den Autoren darin, das Beste aus seinem Text herauszuholen (Ich weiß, dass das manche Kollegen anders sehen). Seine Aufgabe ist, den Autoren zu beraten, ihm Stellen aufzuzeigen, an denen vielleicht etwas überarbeitet oder weggestrichen werden muss. Oder es geht darum, eine Stelle zu entwirren, bzw. konsistenter zu machen. Dabei sollte ein guter Lektor keine Vorschriften machen, sondern Vorschläge, denn es geht nicht darum, dem Autor die richtige Schreibweise aufzudrängen, sondern mit dem Autoren gemeinsam den Text zu verbessern.

Das kann dann auch schon mal soweit gehen, dass man krumme Sätze geraderückt, sofern sich der Autor davon überzeugen lässen, oder auch soweit, dass man seinem Kunden erklären muss, warum die fi-Ligatur ein typographisches Feature ist und kein Fehler. Im schlimmsten Fall wird man zum Ghostwriter, wenn der Text einfach zu schlecht ist, als dass man auf andere Weise noch etwas retten könnte (Dabei handelt es sich aber eher um ein Problem angestellter Lektoren, alle anderen können so etwas ja schon im Vorfeld ablehnen).

Ein Lektor, der seine Arbeit ernst nimmt, hat also neben seinen Korrekturfähigkeiten auch immer ein wenig von einem Berater, Psychologen und auch von einem Erzieher an sich. Er sollte in der Lage sein, dass Buch für seinen Autor mit zu schreiben und sein eigenes Profilierungsbedürfnis hintenan zu stellen. – Und schließlich: Für einen Besuch beim Coach zahlt man auch 75 € die Stunde.

Was meint ihr, welcher Preis ist für ein Lektorat angemessen? Schreibt es mir unten in der Kommentarzeile, auf Google Plus oder auf Facebook!

Freitag, 4. Januar 2013

Eigenlob zum Jahresanfang

Vier Entwürfe auf einen Streich

Man sagt ja, Eigenlob stinke, aber das muss einfach einmal sein. Ich habe noch vor Jahresende drei Projekte abschließen können, die mir schon längere Zeit auf der Seele gebrannt haben und das macht mich froh.

Da ist einmal das zweite Kapitel aus dem Buch Werke eines großen Meisters meines Freundes Bernd Badura, dann mein zweites Lektoratsprojekt, dass unter dem Titel Erstunken & Erlogen läuft und aus der Feder von Matthias Krause stammt. Beiden wünsche ich auch für 2013 gutes Gelingen und Erfolg.

Außerdem tritt mein eigenes Buchprojekt in die »heiße« Phase. Ich habe nun meinen definitiv letzten Entwurf (Nr. 4) abgeschlossen. Im Moment wird der Text gegengelesen und korrigiert. Wenn alles gutgeht, wird das Buch bis Juli veröffentlicht sein. Bis es dazu kommt, ist noch ein langer Weg zu beschreiten, das Cover muss gestaltet, der Text gesetzt und die Illustrationen gezeichnet werden, aber ich bin zuversichtlich, dass ich das Projekt bis Mitte des Jahres abgeschlossen haben werde. Der Text steht, und das ist das Wesentliche! Ach, bevor ich´s vergesse: Die Geschichte wird Jenseits der Schwarzen Berge heißen und ein Fantasy-Kurzroman sein. Veröffentlichen will ich den Text auf Amazon, da ich denke, dass das die einfachste Möglichkeit ist, den Text herauszubringen und zugleich weitgehend die Kontrolle über die Art und Weise zu behalten, in der der Text präsentiert wird.

Viel Glück und ein gutes Neues Jahr wünscht euch

Georg. 

Well done!

Sonntag, 23. Dezember 2012

Weihnachtgrüße und gute Vorsätze

Da ja schon seit längerem darüber diskutiert wird, dass Google Friend Connect auch für Blogger-Blogs abgeschaltet wird, habe ich noch kurz vor Weihnachten zwei andere Möglichkeiten eingerichtet, damit ihr meinem Blog folgen könnt. Einerseits habe ich eine Google+-Seite eingerichtet, die sich im Laufe des nächsten Jahres füllen wird, sobald ich mehr Zeit habe, mich genauer darum zu kümmern. Andererseits könnt ihr Literatura Fragmentata über das Blog-Connect-Widget folgen. Möglicherweise richte ich auch noch einen Facebook-Account ein, obwohl ich Fb nicht mag.

Vielleicht haben sich ja einige gewundert, warum jetzt schon seit einiger Zeit kein neuer Post mehr gekommen ist (wenn man vom "Aphorismus des Tages absieht"). Die Antwort ist einfach. Ich habe noch an meinen beiden Lektoratsprojekten gearbeitet, um beide noch vor Weihnachten abschließen zu können. Da ist dann die ganze Zeit, die ich zum Schreiben hatte, für das Lesen der Texte und Eintragen der Korrekturen draufgegangen. Nun steht die nächste Tranche von Bernds Buch (http://berndbadura.blogspot.de/) für Anfang Februar an. Wenn ich mit meinem zweitem Autor verhandelt habe, kann ich vielleicht auch über dieses Buch etwas posten.

Mehr gibt es im neuen Jahr,

bis dann!