Samstag, 21. November 2015

Plotten oder die Kunst eine Kanne Kaffee zu kochen.


 
"Was hat Kaffee kochen mit dem Plotten eines Buches gemeinsam? Und was soll die hirnrissige Überschrift überhaupt?", werden einige von euch, meine lieben Leser, vielleicht gedacht haben. Und so offensichtlich ist der Zusammenhang auch nicht. Viele Autoren haben ja gerade am Anfang ihrer Laufbahn Schwierigkeiten damt, sich einen stringenten Handlungfaden für ihre Stories zurechtzulegen. Die Lösung dafür ist, die Große Aufgabe "Plott" in viele kleine Schritte zu teilen, die miteinander verknüpft sind. Wie das genau funktioniert, kann man am besten an einer alltäglichen Tätigkeit zeigen. -- Und was ist alltäglicher, als eine Kanne Kaffee zu kochen?

Auf die Idee dazu bin ich gekommen, weil ich mich an eine Übung aus meinem Informatik-Unterricht damals in der Schule erinnert habe (auch wenn das zugegebenermaßen schon ziemlich lange her ist). Unser Informatik-Lehrer wollte uns beibringen, wie man Programme gut plant. Er hatte sich dafür diese kleine Übung ausgedacht: Wir sollten uns überlegen, was wir tun müssten, wenn wir uns morgens eine Kanne Kaffee kochen wollen. Sinn und Zweck dieser Übung war, uns beizubringen, wie man ein Programm strukturiert, damit es die Schritte zur Erledigung der Aufgabe folgerichtig erfüllt. Wir sollten nicht einfach drauflosschreiben, damit kein "Spaghetti-Code" entsteht.

Bei einem langen Text ist das nicht anders, der Plott soll dafür sorgen, dass die Handlung in ihrer Logik konsequent vom Anfang zum intendierten Ende läuft, ganz gleich wie verworren die Handlung auch auf der Oberfläche erscheinen mag. Sowohl beim Programm als auch beim Plott soll die innere Logik des Textes dafür sorgen, dass am Ende das gewünschte Ergebnis herauskommt.

Zurück zum Kaffee

Zurück also zum Kaffee. Das Kaffeekochen soll unser Alltagsbeispiel sein, um zu zeigen, wie man einen Ablauf in eine Reihe von Einzelschritten zerlegt. Was also müssen wir tun?
  1. Zuerst muss ich den Kaffee und die Filter aus dem Schrank holen.
  2. Das Filterfach öffnen.
  3. Die Filtertüte zurechtfalten.
  4. Filtertüte in den Halter stecken.
  5. Das Kaffeepulver einfüllen.
  6. Mit der Kanne zum Wasserhahn gehen.
    6.1. Wasserhahn aufdrehen.
    6.2. Wasser in die Kanne laufen lassen.
  7. Mit der Kanne zurückgehen.
  8. Wasser in den Wassertank füllen.
  9. Kaffeemaschine einschalten.
  10. Warten bis der Kaffee durchgelaufen ist.
  11. Maschine ausschalten.
  12. Filter entfernen
  13. Kaffee in die Tasse gießen.
Fertig.

Auch wenn sich das auf den Blick vielleicht albern anhören mag, trainiert das Zerlegen von alltäglichen Handlungen die Fähigkeit, Ereignisfolgen zu konstruieren. Und das ist wichtig, um Stories zu schreiben, die Hand und Fuß haben.

1 Kommentar:

C. Harry Kahn hat gesagt…

Du hast vergessen, unter 6.3 den Wasserhahn zuzudrehen. Da auch keine Sicherungsschleife eingebaut ist, läuft dein Plot in die Kanalisation :-(
Im Prinzip stimmt es natürlich. So versuche ich Neulingen, die Gedankengänge eines Computers zu erklären.
Frage: Wie komme ich zum Bahnhof?
Antwort an eine Person: Zweite Straße rechts.
Antwort an einen Roboter: 1. Blicke in diese Richtung. 2.Prüfe, ob der Boden vor dir eben ist und, wenn ja, ob ein Hindernis im Wege steht. 3. Mache einen Schritt nach vorn. 4. Wiederhole Aufgabe 2 ......... und so weiter.

Wie weit ins Detail man ein Plot herunterbrechen kann, ist wohl sehr individuell. Meine Methode ist einfacher: Ich lasse einen Stein einen Abhang hinunterkullern. Bleibt er unterwegs stecken, muss ich eben hin und ihn wieder befreien. Dann kann ich ihm sogar eine neue Richtung geben, wenn mir unterwegs was Geniales eingefallen ist.