Samstag, 14. November 2015

Fassungslos



Eigentlich wollte ich euch in dieser Woche einen Artikel über das Plotten präsentieren. Aber die Ereignisse von Paris haben mich fassungslos hinterlassen. Ich mache mir Sorgen, nicht nur weil Terroristen, die vorgeben, im Namen einer Religion zu handeln, mitten in Europa ihre Verbrechen begehen, sondern auch, weil das ein gefundenes Fressen für die Nazis und Halb-Nazis unter uns ist. Dabei sind weder die Einen oder die Anderen in ihrem grundlegenden Wesen unterschiedlich.

Was meine ich damit? Der IS und die Nazis unterscheiden sich nur an der Oberfläche voneinander. Strukturell und in Bezug auf die Denkweisen, die dahinterstecken sind beide Gruppen gleich: Faschisten. Nun könnte man sagen, "Die machen das aber, weil ihnen ihr Gott das befiehlt. Da ist der Unterschied."

Das ist natürlich Blödsinn.

Da ist kein Unterschied, weil auch die Religion nur als Ausrede vorgeschoben wird, genauso wie bei den Nazis das Abendland oder das "Volk" als ethnisch definierte Gruppe. Die einen holen sich ihr Recht über "Gott" die anderen über den Begriff "Rasse". Aber darunter sind die Mechanismen gleich, egal wie man sie nennt. Jeder der so handelt ist grundsätzlich von zwei Motivationen getrieben, einerseits von einem Gefühl, etwas "verdient" zuhaben, dieses Gefühl, dass im angelsächsischen Sprachraum "Sense of Entitlement" genannt wird. Wer so denkt hat das Gefühl, dass ihm "etwas zusteht". Wenn dieser "Sense of Entitlement" auf die Realität trifft und sich zeigt, dass niemand gewillt ist, dieses Bedürfnis zu befriedigen, baut sich daraus Frust und letztendlich Hass auf. Das ist vorallem bei Menschen der Fall, die sich in einer prekären Situation befinden, aus armen Verhältnissen (Skinheads) oder aber aus Wohlstandsverwahrlosung (Hooligans) stammen und oft einen kaputten Familienhintergrund haben.

Ich glaube nicht, dass die Hintermänner an das glauben, was sie predigen. Mir scheint eher, dass es diesen Leuten darum geht, Macht auszuüben. Das ist bei Lutz Bachmann und Frauke Petry der Fall, aber auch bei den Anführern des IS. Es geht letztendlich immer nur um die Gier nach Macht.
Ich bitte alle unter euch, die das hier lesen, nicht still zu halten! Gerade wir Blogger und Autoren sollten unsere Stimme erheben gegen den Hass.

Teilt den Artikel, schreibt gegen den Terror an, egal von welcher Seite!

Freitag, 30. Oktober 2015

Wenn du wissen willst, wo es in deiner Story hakt, lies sie dir selbst vor



Die eigenen Fehler zu erkennen ist schwierig. Das gilt nicht nur in zwischenmenschlichen Beziehungen, sondern auch für die eigenen Texte. Es trifft sogar auf Leute zu, die so wie ich seit fünfzehn Jahren die Texte anderer Leute korrigieren Ich kann an keiner Kekspackung mehr vorbeigehen, ohne die Rechtschreibfehler, typographischen Schwächen, Farbfehler usw. zu sehen, aber meine eigenen Typos sehe ich nicht (jedenfalls nicht alle). Ist das ein Grund, jetzt in Verzweiflung auszubrechen? Nein: Sich selbst den eigenen Text laut vorzulesen kann Abhilfe schaffen.

Der Witz an der Sache ist, dass man, wenn man den Text laut vorließt, unweigerlich an den Stellen ins Stocken kommt, an denen etwas nicht stimmt. seien es nun Rechtschreibfehler oder grammatikalisch fragwürdige Konstruktionen. Wichtig ist dabei, dass man sich den Text langsam und ruhig vorließt und nicht über die Zeilen huscht. Man sollte auch nicht zuviele Seiten in einer Sitzung lesen, da – zumindest ist das meine Erfahrung – spätestens nach zehn Seiten die Konzentration so weit absinkt, dass man nichts mehr mitbekommt.

Konkretes Vorgehen

Theoretisch hört sich das natürlich ganz nett an, aber wie lässt sich das pragmatisch in die Tat umsetzen?

Ich gehe dabei so vor, dass ich den Text den ich korrigieren will mit dem Handy aufnehme und ihn mir dann im Anschluss selbst vorspiele. Man kann logischerweise auch jedes beliebige andere Aufnahmegerät nehmen, für mich hat sich das Telefon aber als die bequemste Alternative erwiesen.

Den Text aufzunehmen hat den Vorteil, dass man sich einzelne Stellen mehrfach anhören kann. Das ist vorallem bei solchen Passagen wichtig, bei denen man sich nicht sicher ist, ob sie unstimmig sind oder nicht.

Während man die Aufnahme abhört, sollte man den zu korrigierenden Text vor sich liegen haben, um die Fehler direkt korrigieren zu können. Da man aber in der Regel nicht so schnell die Korrekturen eintragen kann, wie die Aufnahme durchläuft, ist es wichtig, diese stoppen zu können. Ebenso wichtig ist, dass man aufmerksam und genau zuhört. Es ist besser, sich eine auffällige Stelle mehrmals anzuhören, als einen Fehler durchgehen zu lassen.

Der Computer als Vorleser

Falls man partout nicht vorlesen kann oder will (z. B. weil man seine eigene Stimme nicht ertragen kann oder in irgendeiner Form undeutlich spricht), kann auf den Computer als Vorleser zurückgreifen. Mithilfe eines Text-to-Speech-Programms ist das problemlos möglich. Der Computer hat zudem den Vorteil, dass er den Text so gut wie intonationslos ließt und so eventuelle Fehler nicht durch einen lebhaften Lesestil verdeckt werden können. Ist ein Wort falsch geschrieben, wird er es genauso falsch aussprechen, wie es geschrieben wurde und nicht anders.

Eine Möglichkeit von vielen

Natürlich ist das Sich-selbst-Vorlesen nur eine Möglichkeit, Fehler in den eigenen Texten zu finden. Aber es ist eine sehr effektive, die außerdem das eigene Sprachgefühl trainiert und eine Vorbereitung zum Beispiel auf Lesungen sein kann. Probiert es aus! – Und berichtet mir davon.


Freitag, 23. Oktober 2015

Du gehst nicht auf Buchmessen, um etwas zu verkaufen



Neben der Frankfurter und der Leipziger Buchmesse gibt es ja auch noch eine ganze Reihe von kleineren teils genrespezifischen Veranstaltungen, deren Spektrum eines Büchermarkts mit Autorenbeteiligung bis zu echten kleineren Messen reicht. Inzwischen habe ich schon einige dieser Veranstaltungen besucht und dabei festgestellt, dass die Vorstellung, dort viele Bücher zu verkaufen, Unsinn ist. Ganz am Anfang habe ich noch dreißig Bücher plus Standdeko usw. mitgeschleppt, aber dann schnell gemerkt, dass das schlichter Unsinn ist. Heute nehme ich von jedem Buch nicht mehr als fünf Exemplare mit. Doch was soll man auch einer Buchmesse, wenn man keine Bücher verkauft?

Die Antwort ist einfach: Leute treffen! Jenseits der Hoffnung, auf der Messe Bücher zu verkaufen ist sie eine Gelegenheit, andere Autoren und/oder Leute aus (Klein)-Verlagen kennenzulernen. Im Gegensatz zu Kontakten über Facebook hat man hier das Unmittelbare, das virtuellen Kontakten immer fehlt. Man sitzt an seinen Ständen, redet miteinander, trinkt denselben (schlechten) Kaffee und kommt ins Gespräch. Manchmal ergeben sich daraus auch neue Projekte.

Das war beim Tao teh Kitteh so, das Martin zwar schon meine Posts auf dem Blog, auf Google plus und Facebook gesehen hatte. Festgemacht haben wir den Plan, eine künstlerisch gestaltete Fassung des Buches zu machen aber erst auf der Unknown 2014, wo wir genug Zeit hatten, uns persönlich miteinander zu unterhalten. Auf der diesjährigen Unknown habe ich zum Beispiel erfahen, dass es einen in Essen beheimateten Verlag gibt, der sich auf Fantasy spezialisiert hat. Und natürlich trifft man auch die Leute wieder, die man schon auf den anderen Veranstaltungen kennengelernt hat, so dass man seine Bekanntschaften auffrischen kann.

Wenn man dann auch noch ein paar Bücher verkauft, ist das ein netter Nebeneffekt, aber nichts, was man vorraussetzen sollte. Die Vernetzung mit deinen Mitautoren und Autorinnen ist viel wichtiger.